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Wittekindsburg Projekte
 
 
   
 
 
Die Wittekindsburg ist eine Fliehburg auf dem Wittekindsberg im Wiehengebirge. Sie liegt im Kreis Minden-Lübbecke in einer Höhe von
238 m ü. NN. Die Gesamtanlage ist 650 Meter lang und rund 100 Meter breit.
 
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Die Kreuzkirche
1996 konnten archäologische Untersuchungen auf der Wittekindsburg ein neues Bodendenkmal erschließen, das weit über die Grenzen Ostwestfalens von großer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung ist.

Die Ausgrabungen legten die Grundmauern eines kreuzförmigen Gebäudes, eines sog. Zentralbaues frei, der ohne jeden Zweifel als Kirche anzusprechen ist. Die in der Regel 1,1 m breiten und z.T. noch bis 0,8 m hoch erhaltenen, in Lehm verlegten Bruchsteinmauern bilden die Form eines griechischen Kreuzes von etwa 14 m Länge bzw. Breite. Der absolut symmetrische Grundriss bildet vier quadratische Räume von etwa 4 X 4 m Größe, die sich um einen ebenso dimensionierten zentralen Raum gruppieren.

Im südlichen und westlichen Innenraum der Kirche konnten Reste von insgesamt fünf Gräbern freigelegt werden, wovon drei sicher als Kindergräber anzusprechen sind:
1. Kind, 1-2 Jahre alt, Geschlecht unbestimmt
2. Junge, ca. 4 Jahre alt
3. Mädchen, 6-7 Jahre alt
4. Mädchen, ca. 4 Jahre alt
5. Frau, erwachsen.

 

Planausschnitt mit Wall, Kreuzkirche und Mauer.

 
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Der Burgwall der Wittekindsburg
Der Wall der Wittekindsburg In den Jahren 1993, 1994 und 1996 erforschten Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe an zwei Stellen den nördlichen Wall der Wittekindsburg, die bis dahin als rein frühmittelalterliche Wallburg bekannt war und in den Sachsenkriegen Karls des Großen eine Rolle gespielt haben soll.

Es ist der Aufmerksamkeit und dem ehrenamtlichen Wirken Rolf Plögers vom Mindener Museum zu verdanken, dass diese Grabungen stattfanden. Er meldete damals unverzüglich dem Amt für Bodendenkmalpflege in Bielefeld zwei Störungen im nördlichen Wall, die aufgrund bodendenkmalpflegerischer Erwägungen archäologisch untersucht werden mußten.

In beiden Schnitten gelang die Beweisführung, dass die Wittekindsburg bereits in vorchristlicher Zeit, im 3./2. Jahrhundert vor Christus angelegt wurde. Diese erste Burgmauer bestand aus einer hölzernen, durch senkrecht stehende Pfosten gestützte Front mit einem vorgelagerten, flachen Sohlgraben. Mit Erde und dem Aushub des Grabens wurde die Front zur Stabilisierung hinterschüttet. Möglicherweise waren die früheren Verteidiger durch eine Brustwehr aus Flechtwerk zusätzlich geschützt.

Zahlreiche Keramikfunde hinter dem Wall deuten an, dass die Burg in der vorrömischen Eisenzeit zumindest stellenweise besiedelt war. Eindeutige Spuren von Häusern konnten in den schmalen Schnitten allerdings nicht nachgewiesen werden. Wann und warum diese Verteidigungsanlage aufgegeben wurde, ist unbekannt. Sicher ist, dass die Front irgendwann zusammenbrach, weil die hölzernen Stützpfosten verfaulten und dem Druck des Erdwalles nicht mehr standhielten.

Viele Jahrhunderte lag das Gelände brach und erst gegen Ende des 9. oder zu Beginn des 10. Jahrhunderts nach Christus, lange nach den Kämpfen zwischen Franken und Sachsen, ließ ein heute unbekannter Herr eine neue Burg erbauen, die nun von einem Mauerring aus Stein geschützt wurde. Die an ihrer Basis etwa 2,4 m dicke Mauer aus in Lehm verlegten Bruchsteinen orientierte sich exakt an den zerfallenen Wällen aus der vorrömischen Eisenzeit. Ihre vermutliche Höhe von etwa 3 m konnte durch weitere Grabungsbefunde erschlossen werden. Auch die frühmittelalterlichen Verteidiger verbargen sich bei Angriffen hinter einer zusätzlichen Brustwehr aus Flechtwerk oder Holz. An der nördlichen Flanke war ein Graben vor der Mauer nicht mehr nachweisbar. An der östlichen Flanke, die den Rücken des Wiehengebirges absperrt und besonders gefährdet war, ist heute noch eine flache Grabenmulde zu sehen.

Auch das Ende dieser Burg kann nicht eindeutig festgelegt werden. Als aber im Jahre 997 Bischof Milo von Minden von König Otto III. den Schutz für ein Frauenkloster auf dem Wittekindsberg erbittet, wird die Burg als Verteidigungsanlage nicht mehr existiert haben.

 

Rekonstruierter Verlauf des Walls mit dem Häverstädter Tor.
 

So sieht der Burgwall im äußersten Westen der Wittekindsburg heute aus. Noch immer zeigt er eine beeindruckende Höhe.
 

Rekonstruktion einer Burgmauer aus der vorrömischen Eisenzeit nach Befunden der Hünenburg bei Bielefeld.
 
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Das eisenzeitliche Burgtor (Häverstädter Tor)
Verschiedendlich wurde geäußert, dass die Wittekindsburg schon in der vorrömischen Eisenzeit entstanden sein könnte, nicht zuletzt wegen der Torkonstruktion mit überlappenden Wallenden. Die zeitliche Einordnung gründete sich allein auf allgemeine historische und archäologische Erwägungen.

1990 fasste Rolf Plöger im Heft 11 "Frühe Burgen in Westfalen" den damaligen Forschungsstand zusammen und 1997 erfolgte mit Hilfe der Altertumskommission für Westfalen, Münster, eine dringend erforderliche, neue topografische Aufnahme der Anlage.

1993 begannen Grabungen in der Burg, die sich zuerst auf zwei durch Forstarbeiten verursachte Zerstörungen im Nordwall konzentrierten. Im Zuge dieser Untersuchungen wurden auch die Reste der Befestigung aus der mittleren vorrömischen Eisenzeit in beiden Schnitten nachgewiesen. Sie bestand mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einer hölzernen Front mit Erdhinterschüttung und vorgelagertem, muldenförmigem Graben. Allerdings konnten Spuren der charakteristischen Frontpfosten bisher noch nicht nachgewiesen werden. Unmittelbar hinter dem Wall fanden sich zahlreiche Keramikbruchstücke, darunter Randstücke von Schrägrandschüsseln, die eine Datierung in das 2. Jahrhundert vor Christus zulassen. Die Menge der gefundenen Keramik weist auf eine dauerhafte Besiedlung hin, Spuren von Häusern wurden jedoch nicht aufgedeckt.

Durch eine archäologische Neuentdeckung im Jahre 1998 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine zur Wittekindsburg gehörende Siedlung des 2. Jahrhunderts vor Christus in Porta Westfalica-Barkhausen entdeckt worden. Der Siedlungsplatz ist von der Burg nur etwa 1200 m Luftlinie entfernt. Die dort gefundenen Keramikscherben geben einen Eindruck vom damaligen Haushalts- und Vorratsgeschirr wieder.

 

Planausschnitt mit dem eisenzeitlichen Tor.
 

So zeigt sich heute (Foto von 2003) die Anlage des eisenzeitliches Tors. Der Blick geht vom Inneren der Burg zum Tor (Richtung Häverstädt). Die überlappenden Wallenden sind noch gut zu erkennen. Der Weg in der Mitte, der den Berg hinunterführt, geht genau durch das Tor in Richtung Häverstädt.
 
 

Rekonstruktion des Wallaufbaus. (Außenseite und Innenseite)
 
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Die nord-süd-verlaufende Trennmauer
Direkt am Fuß der etwa 3 m hohen Felsklippe, unterhalb der südlichen Abschlussmauer der Kreuzkirche fanden sich bei einer weiteren Prospektion, die der Suche nach dem Verbleib von Versturzmaterial der Kirche galt, die Reste einer zweischalig konstruierten Trockenmauer aus Bruchsteinen. Die Existenz dieser Mauer auf der Wittekindsburg war der archäologischen Forschung bisher nicht bekannt. Das Bauwerk war nach Süden noch etwa 22 m zu verfolgen, wobei die Erhaltung in dem stark hängigen Gelände nach Süden immer schlechter wurde. Bemerkenswert war die Tatsache, dass die Mauer offensichtlich ohne jegliche Fundamentierung auf die damalige Oberfläche gesetzt wurde, wobei die unterste Steinlage zusätzlich noch größtenteils der Hangneigung folgte.

An einem Profil, etwa 5 m südlich des Klippenfußes, wies die Mauer an ihrer Basis eine Breite von etwa 2 m auf und war im Aufgehenden noch etwa 0,7 m hoch erhalten. Die zweischalige Konstruktion zeigte sich durch exakt gesetzte Fronten nach Osten und Westen sowie durch eine Füllung aus überwiegend kleinteiligen Steinen und Lehm. Deutlich war weiterhin durch die Lage des Versturzmaterials zu erkennen, dass die Mauer nach Osten umgekippt war. Zumindest an dieser Stelle ließ sich durch die Menge des vorhandenen Versturzes eine Mindesthöhe von ungefähr 2,5 m errechnen.

Etwa 13 m südlich des Klippenfußes lagen unter Mauerversturz die Reste einer hangabwärts sorgfältig mit Bruchsteinen eingefassten, nahezu runden Feuerstelle von 1,5 m Durchmesser. Im Umfeld des Befundes konnten die bislang einzigen bekannten frühmittelalterlichen Scherben von der Wittekindsburg geborgen werden. Es handelt sich um die Fragmente zweier handgeformter Kugeltöpfe mit kurzen, nach außen abknickenden Rändern, die der zweiten Hälfte des 9. und der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zugerechnet werden können.

Aus dem Bereich der Feuerstelle verfügen wir darüber hinaus über zwei kalibrierte 14C-Daten, die zwischen 784+/-97 und 821+/-94 liegen. Die zeitliche Einordnung der Keramik und die 14C-Daten dürfen in der Tendenz als gleichzeitig betrachtet werden. Damit kann von einer Nutzung der Burg, zumindest in dem untersuchten Bereich, im 9. und vielleicht auch noch im 10. Jahrhundert ausgegangen werden. Da eine direkte Verbindung der Mauer mit der Feuerstelle nicht nachweisbar war, kann sie zeitlich nicht näher eingegrenzt werden. Sicher ist nur, dass sie irgendwann über der Feuerstelle zusammenbrach.

Man kann davon ausgehen, dass die Mauer aufgrund ihrer Mächtigkeit fortifikatorischen Charakter besaß und innerhalb des Gesamtgefüges der Wittekindsburg sicherlich eine wichtige Funktion hatte. Ungeklärt ist aber, ob sie zur Grundkonzeption der Anlage gehörte und möglicherweise von Beginn an eine kleinere Hauptburg in Nord-Süd Richtung von einer größeren Vorburg trennte, oder ob sie nachträglich, etwa zur Reduzierung des Burggeländes aufgebaut wurde. Ebenso ist nicht sicher, ob sie an den Wall nördlich der Klippe anschloss und im Süden bis an den Steilhang herangeführt war.

Eine Gleichzeitigkeit der Mauer mit der Kreuzkapelle anzunehmen, ist aus zwei Gründen zweifelhaft. Zum einen scheinen beide Bauwerke nicht in einem einheitlichen Kontext zu stehen, was durch ein Abweichen der Ausrichtung der Mauer aus der Nord-Südachse der Kirche deutlich wird. Zum anderen würde die Kirche, vorausgesetzt die Mauer würde das Burgareal vom Nordwall bis zum südlichen Steilhang durchqueren, sowohl in der Haupt- als auch in der Vorburg gelegen haben, was vordergründig keinen Sinn ergeben würde.

 

Planausschnitt mit der Trennmauer unterhalb der Kreuzkirche.
 

Blick auf die Nord-Süd verlaufende Trennmauer von der Klippe nach Süden.
 

Blick auf die nach Osten umgestürzte Trennmauer.
 
 

Fragmente zweier handgeformter, frühmittelalterlicher Kugeltöpfe
(ca. 850 - 950 n.Chr.).
 
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